DFB-Trainingsdialog | Nr. 10 | Abwehrverhalten

DFB-Trainingsdialog 10 Ganzheitliche Entwicklung aller Spieler*innen mit dem Schwerpunkt ABWEHRVERHALTEN

das defensive 1 gegen 1 ist eine Schlüsselsituation unseres Spiels. Immer wieder müssen Spieler*innen direkte Duelle lösen, den Weg zum Tor verteidigen, Tempo aufnehmen, Gegner*innen lenken und im richtigen Moment den Ball attackieren. Genau diese Situationen wollen wir mit den Trainingsformen dieses Flipbooks gezielt provozieren. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der gewonnene Zweikampf. Erfolgreiches Verteidigen beginnt bereits vor dem direkten Duell: mit einer schnellen Reaktion auf den Ballverlust, einem entschlossenen Anlaufen, dem passenden Abstand und einer guten Körperstellung. Unsere Spieler*innen sollen lernen, das Tempo des Angriffs aufzunehmen, den Raum zu verengen und die gegnerische Aktion aktiv zu beeinflussen. Gerade für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, viele unterschiedliche 1-gegen-1-Situationen zu erleben. Mal verteidigen sie frontal, mal seitlich oder von hinten. Mal steht die Sicherung des eigenen Tores im Vordergrund, mal die direkte Balleroberung. Dabei müssen die Spieler*innen immer wieder selbst entscheiden: Wie schnell laufe ich an? Welchen Abstand brauche ich? Auf welche Seite lenke ich? Wann bleibe ich geduldig – und wann greife ich an? Die Trainingsformen in diesem Flipbook geben den Spieler*innen viele Wiederholungen, ohne die Lösungen vorzugeben. Denn Zweikampfverhalten lässt sich nicht allein durch Erklären erlernen. Es muss erlebt, ausprobiert und immer wieder angepasst werden. Für uns Trainer*innen bedeutet das: klar coachen, aber nicht jede Aktion unterbrechen. Beobachtet, stellt kurze und konkrete Fragen und gebt euren Spieler*innen Raum, eigene Lösungen zu finden. Nicht jeder verlorene Zweikampf ist ein Fehler. Entscheidend ist, ob die Spieler*innen mutig handeln, ihre Erfahrungen nutzen und das nächste Duell besser lösen. Vermittelt ihnen: Verteidigen ist keine passive Aufgabe. Wer im 1 gegen 1 aufmerksam, entschlossen und kontrolliert agiert, übernimmt Verantwortung für das Team – und kann mit einer erfolgreichen Balleroberung sofort den nächsten Angriff einleiten. Bringt die Trainingsformen mit hoher Intensität auf den Platz, fordert mutiges Zweikampfverhalten ein und schafft viele echte Duelle. Denn Sicherheit im 1 gegen 1 entwickeln Spieler*innen vor allem durch eines: Verteidigen, Entscheiden und erneutes Verteidigen. Viel Freude beim Ausprobieren, Coachen und Weiterentwickeln! DAMIR DUGANDZIC Sportlicher Leiter DFB-Talentförderprogramm 2 IMPRESSUM HERAUSGEBER: Deutscher Fußball-Bund e. V. PROJEKTVERANTWORTUNG: Hannes Wolf, Damir Dugandzic, Thomas Impekoven INHALTLICHE MITARBEIT: Marie Céline Nowek, Kim Falter, Nico Knaubel, Daniel Kufner, Tom Samson REDAKTION/MEDIENKONZEPTION: Dominic Demenat, Dennis Schunke, Bruno Vallon (philippka GmbH & Co. KG) GRAFISCHES KONZEPT: Strichpunkt Design GESTALTUNG: philippka GmbH & Co. KG FOTOS: Teresa Kilian LIEBE COACHES,

3 INHALT Alle Infos zum DFB- Talentförderprogramm DFB-TALENTE.DE 01 Das Ziel 4 Schwerpunkt Abwehrverhalten 02 Die Praxis 6 Unsere Trainingsformen 03 WM-Analyse 18 Ableitungen für unser Training 04 Trainingsphilosophie Deutschland 19

01 4 In diesem DFB-Trainingsdialog thematisieren wir das Abwehrverhalten als einen Schwerpunkt der Trainingsphilosophie Deutschland. Die vergangene Weltmeisterschaft hat gezeigt, dass nicht nur der unbedingte Wille, ein Tor zu erzielen, bedeutsam ist, sondern auch der Wille, ein solches zu verhindern. Anhand ausgewählter Trainingsformen möchten wir Euch zeigen, wie sich durch deren Gestaltung und Steuerung verschiedene Aspekte des Abwehrverhaltens trainieren lassen. In dieser Trainingseinheit findet Ihr Ideen zur Aktivierung, zu den Spielblöcken und zum Zwischenblock. Das Ziel Unsere Trainingsprinzipien Wir bilden jede*n Spieler*in ganzheitlich aus Wir steuern das Training in unserem Schwerpunkt Ein wichtiger Leitsatz der Trainingsphilosophie Deutschland lautet: Ganzheitliche Ausbildung für jede*n Spieler*in auf jeder Position. Dazu gehört, das Verteidigen in unterschiedlichen Räumen und Spielsituationen zu schulen – beispielsweise bei variierender Nähe zum eigenen Tor sowie beim Verteidigen des Tores und/oder des Raumes. Wenn wir in unseren Trainingsformen das Abwehrverhalten gezielt forcieren, setzen wir im Sinne der Ganzheitlichkeit gleichzeitig auch einen Reiz zur Verbesserung des Angriffsverhaltens. Dabei werden sämtliche Basistechniken wie Ballkontrolle, Dribbling, Passspiel und Torschuss weiterentwickelt. Steuerungsmittel wie Regeln, Tore und Spielfeld helfen uns dabei, das Training und die einzelnen Trainingsformen variantenreicher zu gestalten und noch gezielter auf den Entwicklungsstand der Spieler*innen abzustimmen. Dabei müssen Steuerungsmittel nicht immer für alle Spieler*innen gelten. Im Sinne der Individualisierung können sie auch nur auf ein Team oder einzelne Spieler*innen angewendet werden. Durch passende, auf den Trainingsschwerpunkt abgestimmte Steuerungsmittel erhalten die Spieler*innen zahlreiche Wiederholungen. Die Trainer*innen können ihren Fokus dadurch auf die Motivation der Spieler*innen und die Beobachtung ihrer Aktionen legen.

5 Wir suchen und gewinnen persönliche Duelle Je näher zum Tor, desto näher am Gegner Raum- oder Manndeckung? Beide taktischen Ideen haben ihre Vor- und Nachteile. Insbesondere auf kleinen Spielfeldern mit Toren herrscht in nahezu jeder Spielsituation Torgefahr. Dadurch lernen die Spieler*innen, ihre direkten und torgefährlichen Gegenspieler*innen schnell zu erkennen. Gleichzeitig erhalten sie zahlreiche Möglichkeiten, ihr Abwehrverhalten in unterschiedlichen Defensivaktionen zu verbessern. Du möchtest dein Training abwechslungsreich, altersgerecht und mit hoher Qualität gestalten? Das E-Learning zur Trainingsphilosophie Deutschland zeigt dir, worauf es dabei ankommt – verständlich erklärt und mit konkreter Orientierung für deine Arbeit auf dem Platz. Direkt zum E-Learning Weltklasse-Spieler*innen zeichnen sich nicht nur durch ihre Offensivaktionen aus. Auch die persönlichen Duelle in der Defensive können den Unterschied ausmachen und über den Ausgang eines Spiels entscheiden. Durch wettbewerbsorientierte Trainingsformen sollen die Freude am Verteidigen, der Mut, in den Zweikampf zu gehen, sowie die Motivation für jede Abwehraktion gezielt gefördert und gefestigt werden. Das Trainingsziel ist immer … Kostenloses E-Learning Zertifikat zur Trainingsphilosophie Deutschland

6 Unbegrenzte Möglichkeiten Feld 1: Spiel auf 4 Minitore Feld 2: Spiel auf 2 Großtore Feld 3: Hybrid (Großtor + Wechselzone/Minitore) Die 3 Felder können je nach Platzgröße auch → nebeneinander aufgebaut werden. Dadurch sind die Wege kurz und auch nur ein*e → Trainer*in kann alle Felder leichter überblicken. Die Größen der Felder sind exemplarisch auf → eine U14 abgestimmt: Feld 1: ca. 20 x 18 Meter → Feld 2: ca. 25 x 22 Meter → Feld 3: ca. 20 x 18 Meter → Flexibel reagieren auf Inhaltlicher Schwerpunkt → Anzahl der Spielenden (Torhüter*innen) → Tore/Toranzahl → Zur Verfügung stehender Platz → 02 Unser Trainingsaufbau Feld 1 Feld 3 Feld 2 EINHEITLICHE ORGANISATION DER PRAXIS EIN AUFBAU – ALLES VERTEIDIGEN Nachhaltige Ausbildung von Verteidigungssituationen in allen Räumen für positionsunabhängige Spieler*innen aller Positionen – mit der Mentalität, jeden defensiven Zweikampf gewinnen zu wollen, und in freudbetonten sowie effizienten Trainingsformen.

7 Mit Tempo und aktiv auf eine*n ballbesitzende*n Gegenspieler*in zulaufen, um sie/ihn unter Druck zu setzen: „Schnell hin – langsam davor – bereit für den Zweikampf.“ Eine*n ballbesitzende*n Gegenspieler*in in eine Richtung drängen, die für das eigene Team vorteilhaft ist: „Ich bestimme, wo du hindribbelst.“ Direktes und aktives Eingreifen, um den Ball zu erobern: „Schnelle Beine, stabiler Körper, kühler Kopf.“ Anlaufen Lenken Zweikampf Positionierung So nah an einem*r Gegenspieler*in sein, der/die den Ball erwartet, dass man den ankommenden Ball jederzeit attackieren kann: „So nah, dass ich den Ball holen kann.“ Einen Bereich auf dem Spielfeld verteidigen, sodass dort keine Gegenspieler*innen den Ball erhalten können: „Mein Raum gehört mir.“ Direkte Zuordnung zu einem*r Gegenspieler*in, um ihn/sie aus dem Spiel zu nehmen: „Ich bin dein Schatten – du kommst nicht frei.“ Der Bereich hinter der eigenen Position, den man durch seine Körperstellung abdeckt: „Ich stehe so, dass die/der Gegenspieler*in in meinem Schatten steht.“ Zugriff haben Raumdeckung Manndeckung Deckungsschatten Was wir vermitteln wollen 1 gegen 1 (defensiv) „Persönliche Duelle bereits im Training herzustellen, fördert die Motivation, die Eigenverantwortung und den Siegeswillen.“ Nico Knaubel (DFB-Stützpunktkoordinator Sachsen) Sich so in den Pass- oder Schussweg einer*s Gegenspielers*in stellen, dass der Ball nicht ankommt: „Ich bin eine bewegliche Mauer.“ Blocken

8 STRUKTUR UND INHALTE DIE DEMONSTRATIONSEINHEIT IM ÜBERBLICK Die Praxis des aktuellen DFB-Trainingsdialogs AKTIVIERUNG & ZWISCHENBLOCK AKTIVIERUNG: Viele Wiederholungen der Basistechniken Passspiel, Dribbling und Ballkontrolle SPIELBLOCK I: Spielvariationen zum Abwehrverhalten ZWISCHENBLOCK: Üben der Basiselemente zum Abwehrverhalten SPIELBLOCK II: Spielvariationen zum Abwehrverhalten Hinweis: Platziere neben den Feldern ausreichend Bälle. So bleiben die Spieler*innen in Bewegung: weniger Wartezeit, mehr Aktionen, mehr Spielzeit.

9 Hohe Freiheitsgrade fördern Spielkompetenz in variantenreichen (kleinen) Spielformen Freude: Begeisterung für das Training durch viele Aktionen, Ballkontakte, Torabschlüsse und Wettbewerbe Intensität: konstant hohe Nettospielzeit für alle Spieler*innen auf jeder Position Wiederholung: viele Aktionen (= Lern- und Erfolgschancen) für alle ZENTRALE FAKTOREN SPIELBLOCK I & SPIELBLOCK II „Die WM-Analyse hat gezeigt: die Mannschaften, die die wenigsten Torchancen zulassen, gewinnen auch die Spiele.“ Marc-Patrick Meister (U-Nationaltrainer DFB)

10 Aktivierung Methodischer Gedanke: In der Aktivierung wollen wir durch kleine Wettbewerbe einerseits auf die Inhalte vorbereiten, andererseits aber auch Freude und Energie entfachen. Die Trainingsformen sind so konzipiert, dass sie mit unterschiedlich vielen Spieler*innen durchgeführt werden können. Bei großen Trainingsgruppen empfiehlt es sich, die Felder mehrfach aufzubauen. FANGSPIELE „Jedes Duell, egal wo es auf dem Platz stattfindet, zählt! Die Lust am Verteidigen zu erlernen, ist ein wichtiger Baustein in der Entwicklung von jungen Spieler*innen.“ Kim Falter (DFB-Stützpunktkoordinatorin Brandenburg) Organisation & Ablauf Im Mittelkreis mehrere Hütchen als Standpositionen und → Stangen als Hindernisse verteilen. Eine*n Fänger*in und eine*n Läufer*in bestimmen; übrige → Spieler*innen an den Hütchen aufstellen. Der/die Fänger*in versucht, den/die Läufer*in abzutippen → oder mit der eigenen Schulter zu berühren. Bei erfolgreichem Fangen wechseln beide die Aufgaben. → Der/die Läufer*in kann sich durch Abklatschen einer Person → an einer Standposition selbst auswechseln. Danach wechseln die Aufgaben im Feld sofort: Der/die → ursprüngliche Fänger*in wird Läufer*in und umgekehrt. Die Stangen dürfen weder übergriffen noch übersprungen → werden und dienen dem/der Läufer*in als Schutzräume. Variationen Spieler*innen an den Hütchen starten im einbeinigen → Kniestand (höhere Latenz beim Wechsel und akzentuiertes Schnellkrafttraining). Fänger*in und Läufer*in mit Ball: Der Aufgabenwechsel → erfolgt nach Zuspiel des/der Läufer*in zu einer Person an einem Hütchen. Nur ein Ball im Spiel: Eine*n Fänger*in bestimmen, alle → übrigen Spieler*innen sind Läufer*innen (mit Ball). Der/die Fänger*in versucht, eine*n nicht ballführende*n Spieler*in mit der Hand abzutippen oder mit der eigenen Schulter zu berühren. Demonstrationseinheit

11 MINI-WELTMEISTERSCHAFT 1-GEGEN-1-DUELLE Organisation & Ablauf Feld 1 nutzen. → Die Minitore hinter den Ecken des Feldes aufstellen. → Auf jeder Seitenlinie ein Starthütchen aufstellen. → 2 Teams zu je 4 Spieler*innen bilden und jeweils paarweise → auf die Starthütchen verteilen. 2 mal 1 gegen 1 im Feld in 2 Spielrichtungen. → Nach Torerfolg oder 10 Sekunden startet die nächste Aktion. → Abwehrverhalten vorbereiten Frontales 1 gegen 1 (offensiv und defensiv) → 1 gegen 1 mit Gegner*in im Rücken oder seitlich (offensiv → und defensiv) Schnelles Einstellen auf neue Spielsituationen → Das Verhalten in unterschiedlichen 1-gegen-1-Situationen → verbessern. Dynamische Richtungswechsel verbessern. → Aktives Verteidigen lernen. → Organisation Feld 3 nutzen. → 6 Spieler*innen im Feld verteilen. → Das Tor mit Torhüter*in besetzen. → Ablauf Der/Die Torhüter*in eröffnet durch einen Abwurf/Abschlag ins → Feld. Jede*r gegen jede*n auf das Tor. → Wer erzielt die meisten Treffer? → Bei mehr als 6 Spielern in 2er-Teams spielen. → Variation Der/Die Torhüter*in wirft den/die erste*n Spieler*in an, → der/die sich in die Wechselzone freiläuft. Abwehrverhalten steuern Die Feldgröße anpassen. → Die Spieler*innenanzahl erhöhen/verringern. → Abschlusssituationen gezielt provozieren (z. B. Distanztreffer → doppelt werten).

12 Spielblock I Demonstrationseinheit Methodischer Gedanke: Mehrere Spielfelder bieten maximale Flexibilität. Zum einen können die Spieler*innen ihren Stärken oder ihrem individuellen Entwicklungsstand entsprechend gezielt auf die verschiedenen Felder verteilt werden. Zum anderen fördern die unterschiedlichen Spielsituationen die ganzheitliche Entwicklung aller Spieler*innen. Verschiedene Steuerungsmittel helfen uns dabei, innerhalb unseres Trainingsschwerpunkts gezielt und detailliert zu arbeiten. Der anschließende Zwischenblock bietet die Möglichkeit, allen Spieler*innen in kurzer Zeit zahlreiche Wiederholungen zu ermöglichen und sie individuell zu coachen. MINITORE „Wir entwickeln durch Spielen. Die Trainingsformen der Trainingsphilosophie Deutschland gewährleisten Freude, zahlreiche Wiederholungen und eine hohe Intensität für alle Spieler*innen – unabhängig von ihrer Position.“ Tom Samson (DFB-Stützpunktkoordinator Bayern-Nord) Organisation & Ablauf Feld 1 nutzen. → 2 Teams zu je 4 Spieler*innen bilden. → 2 Angreifer*innen (Blau) befinden sich bereits im Feld, → während sich die 2 Verteidiger*innen (Rot) zunächst auf unterschiedlichen Außenpositionen aufhalten und mit dem Pass aktiv ins Feld starten. Der/die Trainer*in eröffnet die Aktion mit einem Pass auf → eine*n Angreifer*in. 2 gegen 2 auf die Minitore → Nach einem Tor oder Torabschluss folgt 30 Sekunden freies → Spiel im 4 gegen 4 (bzw. bis zum nächsten Tor). Variation Im 2 gegen 2 ist pro Team nur ein Pass erlaubt. → Abwehrverhalten steuern Die Ausgangspositionen der Verteidiger*innen steuern das → 1 gegen 1 und die Positionierung: – kleiner oder großer Abstand – seitliches oder diagonales Anlaufen

13 HYBRID GROSSTORE Organisation & Ablauf Feld 2 nutzen. → 2 Teams zu je 6 Spieler*innen bilden und die Tore mit → je einem/einer Torhüter*in besetzen. Pro Team 4 Spieler*innen im Feld und 2 Anspieler*innen → neben dem gegnerischen Tor postieren. 4 plus 2 gegen 4 plus 2 → Anspieler*innen zunächst mit maximal zwei Kontakten → Ohne Abseits spielen. → Variationen Durchlaufen: Der/Die Torhüter*in muss innerhalb von → 4 Sekunden angelaufen werden. Für jeden tiefen Pass, den der/die Torhüter*in mit der Hand → abfängt, erhält die verteidigende Mannschaft einen Punkt. Dadurch werden der aktive Ballangriff und das Torhüterprinzip „Hand vor Fuß“ gefördert. Abwehrverhalten steuern Die Feldtiefe steuert den Torabstand: Je näher am Tor vertei- → digt wird, desto stärker stehen Manndeckung und Blocken im Fokus. Tiefe Anspieler*innen schulen das rückwärtige Verteidigen und den Deckungsschatten. Ablauf & Organisation Feld 3 nutzen. → 2 Teams zu je 3 Spieler*innen bilden und das Tor mit → einem/einer Torhüter*in besetzen. 3 gegen 3 auf das Tor mit Torhüter*in → Nach einem Ballgewinn erspielt sich die ballbesitzende Mann- → schaft das Angriffsrecht auf das Großtor durch ein Zuspiel/ Dribbling in die Wechselzone. Zunächst ohne Abseits spielen. → Variation Wird die Wechselzone ausgehend vom/von der Torhüter*in → innerhalb von 5 Sekunden erreicht, zählt ein anschließender Treffer doppelt. Abwehrverhalten steuern Durch den/die Torhüter*in als zusätzlichem*r Mitspieler*in → sind beide Teams beim Erspielen des Angriffsrechts in Überzahl. Für das jeweils verteidigende Team werden dadurch insbesondere das Anlaufen und der Aufbau des Deckungsschattens provoziert. Tipp bei zwei Torhüter*innen: Torhüter*innenwechsel durch- → führen, sobald der Ball in die Wechselzone gespielt wird.

14 Zwischenblock Demonstrationseinheit TEAM-VERTEIDIGUNGSCHALLENGE Ablauf & Organisation Feld 2 nutzen. → 2 Teams zu je 3 Spieler*innen bilden → und das Tor mit einem/einer Torhüter*in besetzen. Eine*n Wechsel-Torhüter*in neben → dem Tor postieren. Nach dem Zuspiel des/der Trainer*in → wird 3 gegen 3 mit Abseits gespielt. Das verteidigende Team kann nach ei- → nem Ballgewinn mit einem Flugball auf das gegenüberliegende Großtor kontern. Jedes Team verteidigt 10 Aktionen → (Gegentor = -3 Punkte, Kontertor = +1 Punkt) Hinweise Je näher zum Tor verteidigt wird, desto → enger sollen die Spieler*innen an ihren Gegenspieler*innen stehen, um durch eine geeignete Positionierung Zugriff zu bekommen. Durch das Schaffen einer Überzahl- → mannschaft kann das Abwehrverhalten anders gesteuert werden. Abwehrverhalten steuern Durch die Startpositionen wird das fron- → tale oder seitliche Verteidigen gesteuert. Optional: Einen langen, frontalen Flug- → ball in den Strafraum spielen. Durch das Zahlenverhältnis werden un- → terschiedliche Abwehrverhalten provoziert (Gleichzahl = Manndeckung, Unterzahl = Raumdeckung mit Übergängen zur Manndeckung).

15 1-GEGEN-1-DUELLE Ablauf & Organisation Feld 1 nutzen und 4 Dribbellinien mar- → kieren. Die Minitore hinter den Ecken des Fel- → des aufstellen. 2 Teams zu je 4 Spieler*innen bilden. → In jeder Spielrunde befinden sich pro → Team 2 Spieler*innen im Feld und 2 Außenspieler*innen an den Seitenlinien. 2 mal 1 gegen 1 in 2 Spielrichtungen → (2 Minitore auf kurzer Seite oder 2 Minitore auf langer Seite). Nach einem Torerfolg oder einer fest- → gelegten Spieldauer wechseln die Spieler*innen innerhalb ihres Teams mit den Außenspieler*innen. Nach einem Ballgewinn muss zunächst → eine der beiden Dribbellinien überquert werden, bevor auf eines der Minitore abgeschlossen werden darf. Abwehrverhalten steuern frontales 1 gegen 1 in der Offensive → und Defensive 1 gegen 1 mit dem*der Gegen- → spieler*in frontal oder seitlich schnelles Einstellen auf neue Spiel- → situationen Verbesserung des Abwehrverhaltens in → unterschiedlichen 1-gegen-1-Situationen Verbesserung dynamischer Richtungs- → wechsel Erlernen des aktiven Verteidigens → „Bereits durch eine clevere Positionierung weit vor dem Zweikampf kann der Grundstein für den Ballgewinn gelegt werden.“ Marie Céline Nowek (DFB-Stützpunktkoordinatorin Niedersachsen-Nordost)

16 Spielblock II Demonstrationseinheit Methodischer Gedanke: Das freie Spiel ist ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung von Spieler*innen. Spielblock II bietet den Trainer*innen die ideale Möglichkeit, in die Rolle von Beobachter*innen zu schlüpfen und ausschließlich über Steuerungsmittel Einfluss zu nehmen. Werden die Teams zwischen Spielblock I und Spielblock II gewechselt, entstehen für die Spieler*innen ebenfalls neue Reize. MINITORE „Der Ball muss nicht immer direkt gewonnen werden. Wenn der/die Gegenspieler*in den Ball nicht weiterspielen kann oder das Spiel verlangsamen muss, hat der/die Verteidiger*in situativ bereits gute Arbeit geleistet.“ Daniel Kufner (DFB-Stützpunktkoordinator Baden) Organisation & Ablauf Feld 1 nutzen. → 2 Teams zu je 4 Spieler*innen bilden. → Beide Teams haben jeweils 2 tiefe Anspieler*innen neben → dem Tor, das sie angreifen. 2 plus 2 gegen 2 plus 2 nach Zuspiel des/der Trainer*in → Die Anspieler*innen dürfen den Ball nur mit einem Kontakt → spielen und agieren dadurch als Wandspieler*innen. Nach einem Ballgewinn oder dem Zuspiel des/der Trainer*in → beginnen 8 Sekunden, in denen abgeschlossen werden muss. Variationen Mit Abseits spielen. → Alternativ können auch Dribbeltore genutzt werden, um den → Defensivzweikampf zu schulen. Abwehrverhalten steuern Durch die Art der Tore werden unterschiedliche Abwehraktio- → nen gefördert (Minitore = Blocken, Dribbeltore = Zweikampf). Auch die Position der Anspieler*innen beeinflusst das Ab- → wehrverhalten. Durch ihre seitliche Positionierung werden insbesondere die Abwehraufgaben von Stürmer*innen und Mittelfeldspieler*innen herausgearbeitet.

17 HYBRID GROSSTORE Organisation & Ablauf Feld 2 nutzen. → 2 Teams zu je 4 Spieler*innen bilden und die Tore mit → je einem/einer Torhüter*in besetzen. 2 neutrale Anspieler*innen hinter den Seitenlinien postieren. → 4 plus 2 gegen 4 → Die neutralen Spieler*innen haben keine Kontaktbegrenzung → und dürfen nach dem ersten Ballkontakt ins Feld dribbeln. Die 16-Meter-Linie gilt in beide Richtungen als Abseitslinie. → Variation Wird die 16-Meter-Linie überdribbelt, zählt dies bereits als → 1 Punkt. Abwehrverhalten steuern Mit dem Zuspiel auf den neutralen Außenspieler und/oder das → Eindringen in die Box wird die Mannorientierung sinnvoll. Torhüter*in: Die seitlichen Zuspiele schulen die Verteidigung → des „zweiten Tores“ Organisation & Ablauf Feld 3 nutzen. → 2 Teams zu je 3 Spieler*innen bilden und das Tor mit → einem/einer Torhüter*in besetzen. Eine*n Wandspieler*in zwischen den Minitoren postieren. → Rot greift auf das Tor mit Torhüter*in an, Blau mit Wandspie- → ler*in auf die Minitore. An beiden Seitenlinien liegen Ersatzbälle auf Hütchen; bei → Seitenaus holt der/die Spieler*in, der/die zuletzt am Ball war, den Ball und legt ihn auf das Hütchen, von dem die ballbesitzende Mannschaft einen Ersatzball genommen hat. Nach einiger Zeit Wandspieler*in und Spielrichtung wechseln. → Variationen Der/Die Wandspieler*in eröffnet jeden Durchgang per Ein- → wurf vor das Tor. Fängt der/die Torhüter*in einen langen Ball ab, kann er/sie → durch einen gezielten Abwurf in ein Minitor einen Punkt für sich beziehungsweise für die zuletzt verteidigende Mannschaft erzielen. Abwehrverhalten steuern Die Spieleröffnung per Einwurf schult das Verteidigen hoher → Bälle, den Defensivkopfball und das gegenseitige Absichern.

54,8% aller Torvorlagen erfolgen über die Außen auf Höhe des Sechszehnmeterraums 32,2% der Tore wurden durch Pässe aus den Flügelzonen vorbereitet. 22,6% der Tore wurden durch Pässe aus den Taschenboxen innerhalb des Strafraums vorbereitet. Unser Fokus Über die Flügel fallen die Tore 03 WM-Analyse 18 (2) Diese Grafik zeigt den Anteil der Torvorlagen, die bei der WM aus den verschiedenen Flankenzonen entstanden. Daraus lässt sich sowohl die Bedeutung von Torabschlüssen in der Box als auch – aus Sicht der Verteidiger – die hohe Relevanz eines effektiven Abwehrverhaltens in der Box ableiten. (3) Was bedeutet das für unser Training? Das Training von Hereingaben aus unterschiedlichen Positionen bildet die Grundlage, um das Abwehrverhalten in den verschiedenen Spielsituationen gezielt zu trainieren. Die Gestaltung der Felder und die Positionierung der Außenspieler sind dabei zwei zentrale Steuerungsmittel, mit denen sich diese Situationen im Training realitätsnah herstellen lassen. Kann der Ball nicht abgefangen werden, besteht das vorrangige Ziel des/der Verteidigers*in in der Box darin, einen kontrollierten Torabschluss zu verhindern. Bereits zuvor muss Druck auf den/die Flankengeber*in ausgeübt und die Hereingabe erschwert oder – im Idealfall – verhindert werden. (4) Für das Abwehrverhalten in der Box sind drei Aspekte entscheidend: 1. Organisation und Zuordnung: Die Verteidiger*innen organisieren sich in der Box und übernehmen die Zuordnung zu den Angreifer*innen. 2. Positionierung: Die innere Linie besetzen, Körperkontakt aufnehmen und den Ball aktiv erwarten. 3. Dynamik brechen und konsequent verteidigen: Laufwege durch Blocken unterbrechen oder den Lauf des/der Angreifers*in aufnehmen und die Aktion bis zum Ende verteidigen. (5) Dieser DFB-Trainingsdialog vermittelt einen ersten Einblick, wie das Abwehrverhalten gezielt trainiert werden kann. Weitere Trainingsformen aus der Trainingsphilosophie Deutschland, in denen das Abwehrverhalten besonders herausgearbeitet wird, findest du im folgenden Flipbook: (1) In der von DFB-Experten aus verschiedenen Fachbereichen – darunter U-Trainer, Sportliche Leiter, Analysten und Schiedsrichter – erstellten WM-Analyse kristallisierten sich drei zentrale Aspekte heraus: Flanken, die Verteidigung in der Box sowie das Erzielen von Toren in der Box erwiesen sich als Qualitätsmerkmale erfolgreicher Mannschaften.

19 Entwicklung individueller Qualität 04 Die Trainingsphilosophie Deutschland Teil 6: Von der Umkleidekabine auf den Trainingsplatz (4) MIT HANNES WOLF & HANNO BALITSCH Teil 5: Von der Umkleidekabine auf den Trainingsplatz (3) MIT HANNES WOLF & SVEN BENDER Teil 3: Von der Umkleidekabine auf den Trainingsplatz (1) MIT HANNES WOLF & SANDRO WAGNER Teil 4: Von der Umkleidekabine auf den Trainingsplatz (2) MIT HANNES WOLF & LARS BENDER Teil 1: Vom Wohnzimmer auf den Trainingsplatz MIT HANNES WOLF & HERMANN GERLAND Teil 2: Vom Trainerzimmer auf den Trainingsplatz MIT HANNES WOLF & PETER HERMANN DIE VIDEOS DER „TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND“ IM SCHNELLZUGRIFF Über die folgenden QR-Codes gelangen Sie zu den Videos „Vom Wohnzimmer auf den Trainingsplatz“ mit Hannes Wolf und Hermann Gerland sowie „Vom Trainerzimmer auf den Trainingsplatz“ mit Hannes Wolf und Peter Hermann. Im dritten bis sechsten Teil „Von der Umkleidekabine auf den Trainingsplatz“ spricht Hannes Wolf mit Sandro Wagner, Lars Bender, Sven Bender und Hanno Balitsch.

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