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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 5 / 2 0 1 4
zu hoch“
die Grenzen des Erlaubten überschritten. Für unsere
eutlichen sollen, wann ein Schiedsrichter ins Spiel
tner stellt die Einschätzung der beiden Fachleute dar.
Eine aussichtsreiche Angriffs-Situation ist bei diesem ver-
meintlichen „Vorteil“ nicht in Sicht.
Nachdem er den Ball gespielt hat, rauscht der Verteidiger von
Honduras in den Gegner hinein,...
...
der daraufhin unkontrolliert durch die Luft fliegt.
zur Nebensache, die WM zu einem
Treter-Festival“, war die Meinung
des ZDF-Experten.
Doch es waren bei dieser Fußball-
Weltmeisterschaft nicht nur die
Reporter, die die Leistungen der
Unparteiischen kritisch beäugten.
Auch die Fachleute im deutschen
Schiedsrichter-Wesen blickten
recht skeptisch auf die Schieds-
richter-Leistungen, die sie an den
Fernsehgeräten geboten bekamen.
„
Die Schiedsrichter haben um
jeden Preis versucht, das Spiel lau-
fen zu lassen“, sagt zum Beispiel
Lutz Michael Fröhlich, der DFB-
Abteilungsleiter Schiedsrichter.
„
Dadurch, dass sich die Unpartei-
ischen so zurückgehalten haben,
fehlten die Akzente. Die Spieler
hatten keine Orientierung, wo die
Grenzen für ein Foulspiel oder eine
Persönliche Strafe lagen.“
Während sich in vielen Begegnun-
gen die Spieler zusammenrissen,
ging es einige Male hoch her.
„
Viele Vergehen wurden nicht
erkannt oder unzureichend geahn-
det“, ergänzt Hellmut Krug. „In vie-
len Situationen wurde auf ‚Vorteil’
entschieden, auch wenn dies völlig
deplatziert war.“
So zum Beispiel in der ersten
Szene unserer WM-Analyse aus
dem Achtelfinale
Costa Rica
gegen Griechenland
.
Cubero von
Costa Rica (weißes Trikot, am
Mittelpunkt) wird zunächst umge-
stoßen, unmittelbar darauf erhält
sein Mitspieler Ruiz einen Tritt
gegen sein Bein. Weil der Ball zu
einem weiteren Spieler Costa Ricas
gelangt, entscheidet der Schieds-
richter in dieser Situation auf
„
Vorteil“
(
Foto 1)
.
Der „Vorteil“ ist an dieser Stelle
jedoch völlig unangebracht. Denn:
Zwei Spieler derselben Mannschaft
liegen verletzt am Boden, der Ball
wurde zunächst nach hinten in die
eigene Hälfte gespielt.
Dynamik zum gegnerischen Tor,
eine wichtige Voraussetzung für
„
Vorteil“? Fehlanzeige! Der Weg bis
zum Tor ist viel zu weit, zahlreiche
Griechen in den blauen Trikots ste-
hen in der eigenen Hälfte, sodass
eine aussichtsreiche Angriffs-
Situation ausgeschlossen ist.
Zumal ja zwei Spieler der eigenen
Mannschaft am Boden liegen.
Und so kommt es, wie es kommen
muss: Die Zweikampf-Intensität, in
diesem Fall die Foul-Qualität,
nimmt zu: Unmittelbar danach wird
der dritte Spieler Costa Ricas, Stür-
mer Campbell, vom griechischen
Verteidiger Manolas mit einer rück-
sichtslosen Grätsche von hinten zu
Fall gebracht.
Erst jetzt unterbricht der australi-
sche Schiedsrichter Williams das
Spiel. Mit der Gelben Karte für den
Griechen liegt er richtig. Dass es
aber überhaupt zu diesem Foul-
spiel gekommen ist, muss er sich
selbst zuschreiben. Hätte er das
Spiel mit einem Pfiff vorzeitig
unterbunden, hätten sich die Zwei-
kämpfe gar nicht erst hochge-
schaukelt.
Ein Beispiel für einen rustikalen
und rücksichtslosen Angriff, der
nicht ausreichend bestraft wurde,
gibt es im Gruppenspiel
Honduras
gegen Mexiko
.
Der Pfiff des
Schiedsrichters wegen eines Fouls
an der Mittellinie ist offensichtlich
untergegangen, das Spiel läuft
kurzfristig weiter. Montero (Ecuador,
Foto 1
Foto 2a
Foto 2b