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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 5 / 2 0 1 4
Titelthema
Die Messlatte lag
Es wurde getreten, gehalten, sogar gebissen – bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wurden oft
WM-Analyse haben Lutz Michael Fröhlich und Hellmut Krug Beispiel-Situationen herausgesucht, die verd
eingreifen muss, um die Spielkontrolle zu sichern und Verletzungen von Spielern zu verhindern. David Bit
Nach dem Foul an Brasiliens Stürmerstar Neymar und dessen schwerer Verletzung gab es Kri-
tik an den Schiedsrichtern, sie würden zu viel Härte tolerieren.
D
ie Weltmeisterschaft hatte
kaum begonnen, da standen
die Schiedsrichter bereits im
Fokus: Waren es zunächst strittige
Strafraum-Situationen und fehler-
hafte Abseits-Entscheidungen, die
Zuschauer und Experten diskutier-
ten, so stand am Ende vor allem
die uneinheitliche, dabei meist zu
großzügige Anwendung der Per-
sönlichen Strafen in der Kritik.
Geheime FIFA-Anordnung gegen
frühe Gelbe Karten“, titelte gar ein
bundesweites Boulevardblatt und
witterte bereits einen „Schiri-
Skandal“ bei der WM. Ein „gehei-
mer FIFA-Befehl“ verhindere frühe
Gelbe Karten, mutmaßte eine
andere Zeitung.
Fakt ist: Seit Jahrzehnten gab es
nicht so wenig Gelbe Karten bei
einer Fußball-Weltmeisterschaft
wie bei der in Brasilien, nämlich
2,8
Verwarnungen pro Spiel. Vor
vier Jahren in Südafrika waren es
noch durchschnittlich 3,8 Verwar-
nungen, beim Turnier in Deutsch-
land 2006 gar 4,8 Verwarnungen
pro Begegnung.
Spätestens nach dem rücksichtslo-
sen Foul an Brasiliens Stürmerstar
Neymar und dessen Verletzung
brach die Welle der Kritik los: „Das
kommt dabei raus, wenn die
Schiedsrichter nicht in der Lage
sind oder die Vorgabe fehlt, bru-
tale Fouls zu stoppen“, wetterte
TV-Experte Mehmet Scholl in der
ARD.
Der Fußball sei viel zu physisch
und körperbetont, die Messlatte
für Gelbe Karten viel zu hoch
angesetzt worden, sagte Urs Meier.
Die Spieler gehen mit vollem
Tempo auf den Mann, der Ball wird