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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 5 / 2 0 1 4
Porträt
Es zählt nur der Moment“
Sie kommt aus Düsseldorf – aber ein Mode-Püppchen ist Marija Kurtes nun wirklich nicht. Statt
auf High Heels über die Königsallee zu stöckeln, zieht die Deutsch-Kroatin lieber Fußball-Schuhe
an – und leitet als FIFA-Schiedsrichterin internationale Frauen-Spiele. So gut, dass sie jetzt zur
DFB-Schiedsrichterin des Jahres“ gewählt wurde. SRZ-Mitarbeiter Bernd Peters porträtiert die
sympathische wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich für Sportmanagement.
gebracht, sondern bin erst einmal
über die Sportanlage geirrt“,
erzählt er amüsiert. „Außerdem
war es das erste Mal seit Jahren,
dass ich wieder ohne Assistenten
gepfiffen habe. Wie schwierig es da
ist, ein Abseits zu bewerten, war
auch für mich nochmal eine span-
nende Erfahrung.“
Auch in dieser Situation habe es
ihm geholfen, sich einzugestehen,
dass man nicht perfekt ist, son-
dern Fehler möglich sind, betont
Felix Zwayer. „Wenn ein Spieler
minimal im Abseits steht, kann ich
das alleine kaum beurteilen – das
habe ich den Spielern dort auch
genauso gesagt. Dass vielleicht
sie sich täuschen, vielleicht aber
auch ich. Und das konnten sie
akzeptieren.“
Mit Zielen
ist es so eine Sache“
Wohin er noch führen wird, der
Weg des aktuellen „Schiedsrichters
des Jahres“? Felix lehnt sich ent-
spannt zurück. Die Entwicklung hin
zu dieser Auszeichnung sei
Meine Familie und Freunde freuen
sich fast mehr als ich“, erklärt
Marija lachend. „Ich kann gar nicht
so richtig realisieren, was das
bedeutet.“ Es spricht für ihre
Demut, wie die lebensfrohe Rhein-
länderin Ehrungen aufnimmt. Sie
hebt nicht ab – sondern nimmt
sich zurück.
An einem Freitagmittag verlässt
die Nachricht, die ihre Familie und
Freunde glücklich macht, die DFB-
Zentrale in Frankfurt: Kurtes ist die
Beste! In dem kurzen aber präg-
nanten Text lobt Herbert Fandel
die Düsseldorferin mit diesen Wor-
ten: „Marija Kurtes hat ihr Talent in
den vergangenen Jahren kontinu-
ierlich weiterentwickelt. Sie gehört
inzwischen zu den stärksten
Schiedsrichterinnen in der Frauen-
Bundesliga, mit einer beeindru-
ckenden Konstanz in ihren Spiellei-
tungen. Sie wird auch international
ihren Weg gehen.“
Kurz darauf klingeln die beiden
Handys, die Marija Kurtes besitzt.
SMS und Whatsapp-Nachrichten
laufen gleich dutzendweise ein, ihr
Facebook-Profil läuft über. Glück-
wünsche von allen Seiten, doch
Marija Kurtes selbst hat zu diesem
Zeitpunkt gar keinen richtigen
Schimmer, warum.
Ich war unterwegs und deswegen
nicht zu erreichen. Ich bekam nur
eine Nachricht nach der anderen“,
erinnert sich die wissenschaftliche
Mitarbeiterin des RheinAhrCampus’
Remagen. „Meine erste Reaktion
war also erstmal: danke – aber
wofür? Nur hat keiner ernst
genommen, dass ich wirklich nicht
wusste, was los war. Auf einem
Sport-Ökonomie-Kongress hab ich
es dann erfahren.“
Die Frage, ob die Freude groß war,
beantwortet die Düsseldorferin
dann so: „Mich hat es viel mehr
gefreut, dass sich so viele mit mir
gefreut und so nette Sachen
geschrieben haben.“ Das passt zu
ihrer Einstellung. Siehe oben.
Sie trägt diese Demut aber nicht
vor sich her. Sie kann sie auch
begründen. „Ich sehe es gar nicht
als Auszeichnung für mich selbst –
sondern für alle, die an diesem
Erfolg mit teilhaben. Es war eine
Teamleistung von allen, die mich
begleitet und gefördert haben.
Ob in Kaderlehrgängen, im Ver-
band, im Kreis oder im Schieds-
richter-Team.“
Ein Kuchen vor jedem Spiel
Eine Kollegin fällt ihr da sofort ein:
Caroline Telahr möchte ich da
ganz besonders herausheben. Ihr
gehört diese Auszeichnung zur
Hälfte, aber auch Bernd Biermann
und vielen anderen. Auch meiner
Mutter möchte ich danken – die
backt immer noch vor jedem Spiel
einen Kuchen!“ Da kommen viele
Kalorien zusammen, die man Marija
aber nicht ansieht…
Besonders betonen möchte Marija
Kurtes ihren Titel als „Schiedsrich-
terin des Jahres“ also nicht. Viel-
mehr möchte sie ihn nutzen, um
auch andere für das Hobby der
Schiedsrichterei zu begeistern: „Es
ist einfach ein cooles Hobby, das
den Charakter bildet! Es ist nicht
immer einfach und man muss
Auch in kniffligen Situationen –
wie hier nach einem Elfmeter-
pfiff beim Spiel Karlsruher SC
gegen den 1. FC Köln – bleibt
der Unparteiische gelassen.