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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 5 / 2 0 1 4
Solide Rahmen-
bedingungen schaffen
Neben dem Platz ist Felix Zwayer
Immobilien-Kaufmann und inzwi-
schen mit drei Geschäftspartnern
Inhaber eines Immobilien-Unter-
nehmens. „Wir kennen uns schon
seit vielen Jahren, damals pfiff ich
noch auf Verbandsebene“, erklärt
er. „Die Kollegen haben mich in
allen Phasen begleitet und mitbe-
kommen, wie die Schiedsrichterei
zeitintensiver und professioneller
wurde. Deshalb wissen sie, wie
wichtig mir Fußball ist.“
Der große Vorteil daran, selbst-
ständig zu sein, sei, dass er beruf-
lich und privat alle Freiheiten
habe, die er brauche, erläutert
Zwayer: „So habe ich keine Termin-
Kollisionen im Kopf, sondern kann
unabhängig trainieren. Das ist für
mich eine perfekte Konstellation.“
Diesen Tipp könne er nur allen
angehenden Schiedsrichtern mit-
geben: „Die Schiedsrichterei hat
für uns alle einen hohen Stellen-
wert im Leben, wir investieren und
arbeiten viel. Deswegen ist es
wichtig, alles andere drum herum
so einzurichten – dabei aber nicht
zu vernachlässigen, dass man die
Schiedsrichterei auch mit all’
ihrer Professionalität angehen
kann.“
Die Frage, wie er all‘ das unter
einen Hut bekommt, entlockt Felix
ein Lächeln. Beruf, Freundin und
Pfeifen zu koordinieren, sei zwar
viel, aber auch „nach wie vor
etwas, das ganz große Freude
bereitet“. Es sei zwar häufig
anstrengend, aber keine Last: „Für
mich ist das Schiedsrichten nach
wie vor ein Hobby – vom Grundge-
danken her also etwas, das Spaß
macht.“
Felix Zwayer beugt sich vor, seine
Mimik wird ernst: „Ich definiere
mich nicht über die Schiedsrichter-
Tätigkeit. Beruflich und privat bin
ich sehr glücklich – das sind wich-
tige Faktoren.“
Sollte er tatsächlich einmal verlet-
zungsbedingt ausfallen – oder die
aktive Laufbahn zu Ende gehen –
so sei dies kein Weltuntergang.
Schließlich habe ich dann etwas,
auf das ich zurückblicken kann“,
grinst Felix, „jede Menge tolle
Erinnerungen“.
Ein Schiedsrichter
wie jeder andere auch
Es ist diese Leichtigkeit und Unab-
hängigkeit, die Deutschlands
Schiedsrichter des Jahres“ sym-
pathisch macht. Sein Auftreten
und seine Körpersprache vermit-
teln Sicherheit und Bodenständig-
keit.
Dass er bescheiden bleibt und
nicht vergisst, wo er herkommt,
zeigt er auch durch seine stetige
Präsenz bei Nachwuchs-Veranstal-
tungen und Vorträgen. „Bei den
Nachwuchs-Lehrgängen in Berlin
bin ich relativ häufig“, stimmt er
zu, „das mache ich nach wie vor
mit Freude, auch wenn es natürlich
ein zusätzlicher Termin ist.“
Besonders den Oster-Lehrgang des
Junioren-Leistungskaders in Berlin
versuche er immer einzurichten,
da dort vor vielen Jahren auch die
Grundsteine seiner eigenen Karriere
gelegt wurden: „Das war der erste
Lehrgang, bei dem ich als junger
Schiedsrichter gefördert wurde“,
erklärt der Unparteiische.
Es sei ungewohnt zu erleben, dass
junge Schiedsrichter nun zu ihm
aufblickten, erklärt Felix, „aber ich
weiß, wie ich mich damals gefühlt
habe, als Lutz Michael Fröhlich und
andere Schiedsrichter-Größen uns
damals besucht haben.“
Eigene Popularität
für andere einsetzen
Auch bei den jüngsten Maßnahmen
gegen Gewalt im Berliner Fußball-
Verband war Felix Zwayer mit
dabei: „Manchmal kann die Popula-
rität als Bundesliga-Schiedsrichter
helfen, als Träger einer Botschaft
zu fungieren.“
Es sei wichtig, dass solche Aktio-
nen gegen die Gewalt gegen
Schiedsrichter Gehör bekämen,
betont er. „Es haben alle Berliner
Schiedsrichter mit der fünfminüti-
gen Spielunterbrechung etwas bei-
getragen, aber wenn man als FIFA-
Schiedsrichter nochmal in die
Kreisliga kommt, dann bekommt
das schon mehr Gewicht.“
Beim Gedanken daran muss er
lachen. SV Blau-Gelb Berlin II gegen
die SG GW Baumschulenweg – es
sei auch für ihn eine schöne Erfah-
rung gewesen, dieses Kreisliga B-
Spiel zu pfeifen. „Dort wurde ich
nicht abgeholt und zum Stadion
Felix Zwayer
Der 33-jährige Felix Zwayer
pfeift für den SC Charlotten-
burg. Seit 2004 steht der Berli-
ner auf der DFB-Liste. In der
Bundesliga ist er seit dem Jahr
2009
als Schiedsrichter tätig
und leitete in dieser Zeit 72
Spiele. Den Sprung auf die
FIFA-Liste schaffte er im Jahr
2012.
International brachte er
es bis heute auf vier A-Länder-
spiele sowie fünf Europapokal-
Begegnungen.
Zur Person
Souveräne Auftritte: Sowohl im Spitzenspiel zwischen dem
FC Bayern München und Borussia Dortmund...
...
als auch im Relegationsspiel Hamburger SV gegen die
SpVgg Greuther Fürth zeigte Felix Zwayer sehr gute Leistun-
gen.