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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 5 / 2 0 1 4
Porträt
„
Keine Angst vor Fehlern“
Er ist der jüngste „Schiedsrichter des Jahres“, seitdem es diese Auszeichnung gibt: Felix Zwayer
aus Berlin. Bianca Riedl hat sich am Rande des Trainingslagers am Chiemsee mit dem 33-Jährigen
unterhalten und stellt den Senkrecht-Starter unter Deutschlands Unparteiischen vor.
W
enn Felix Zwayer spricht, ist
seine Stimme ruhig und
angenehm. Auf seine Auszeich-
nung angesprochen, antwortet
er, ohne lange zu überlegen:
„
Diese Auszeichnung ist etwas
Außergewöhnliches und auch für
mich eine große Überraschung.
Nicht, weil die Saison nicht gut
war. Sondern weil es eine Aus-
zeichnung ist, die in der Regel an
ältere Schiedsrichter vergeben
wird, die schon lange dabei sind
und sich in vielen Spielen verdient
gemacht haben.“
Umso schöner sei es natürlich für
ihn, wenn das, was er in der Saison
mit seinem Team geleistet hat,
ausgezeichnet werde. „Grundsätz-
lich sehe ich es als Teamleistung,
wenn ein Spiel läuft – deswegen
gilt diese Auszeichnung auch mei-
nen langjährigen Assistenten Florian
Steuer und Marcel Pelgrim.“ Die
gemeinsamen Einsätze seien gut
gelaufen, stimmt Felix Zwayer zu,
„
wir hatten das Glück, dass es
kaum eine Entscheidung gab, mit
der wir im öffentlichen Fokus stan-
den.“
Und dies, obwohl er viele wichtige
Spiele gepfiffen hat, beispielsweise
den Klassiker Bayern München
gegen Borussia Dortmund oder
das Relegationsspiel Hamburger SV
gegen Greuther Fürth. „Wenn die
Spiele geräuschlos enden und man
dazu beitragen konnte, dass alles
in einem fairen Rahmen bleibt,
kann man mit seiner Saison zufrie-
den sein“, nickt Zwayer.
Seine eigene
Philosophie finden
Natürlich sei nicht alles perfekt,
wirft der 33-Jährige ein. „Es gibt
immer Dinge, an denen man arbei-
ten kann, und das wird sich auch
bis zum Schluss nicht ändern. In
der abgelaufenen Saison konnte
ich aber unheimlich viel von dem
umsetzen, was ich mir vorgenom-
men hatte.“ Er habe für sich „einen
Weg gefunden, auf dem ich mich
sehr wohlfühle“.
Dennoch sei man als Schiedsrich-
ter nie fertig, betont Felix Zwayer:
„
Man muss Trends erkennen, sich
weiterentwickeln und vielleicht
auch einmal verändern, wenn die
Entwicklungen im Fußball dies
erfordern.“
Selbstverständlich müsse man
aber auch lachen und Spaß haben,
dies stehe stets im Vordergrund.
Sollte die Freude am Pfeifen ein-
mal nicht mehr gegeben sein,
merkt Felix ernst an, würde er auf-
hören. „Denn gerade das ist das
Tolle an dieser Tätigkeit: die
Mischung aus Professionalität und
genialen Erlebnissen bei großen
Events mit entsprechenden Emo-
tionen.“
Ohne „negative Spannung“
ins Spiel gehen
Während er auf der Couch sitzt
und erzählt, souverän und ent-
spannt, so gar nicht abgehoben,
wirkt der Schiedsrichter, als würde
er in seinen jungen Jahren bereits
über allem stehen.
Mit dieser Beobachtung konfron-
tiert, lacht Zwayer herzhaft: „Es
ist wichtig, seine eigene Philoso-
phie zu entwickeln. Fakt ist, dass
Fußball zwar ein wichtiger Bestand-
teil, aber nicht der Mittelpunkt
meines Lebens ist.“ Auch ohne den
Ballsport gehe das Leben für ihn
weiter.
Doch wie sieht es aus, sein Erfolgs-
rezept, das ihn mit all‘ der Gelas-
senheit zu dieser Auszeichnung
gebracht hat? „Was ich für mich
persönlich in den vergangenen
Jahren herausgearbeitet habe, ist,
dass ich mir erlaube, auch einmal
Fehler zu machen. Das heißt nicht,
dass ich gerne Fehler mache. Aber
ich weiß, dass sie passieren kön-
nen und ein Stück weit auch zum
Schiedsrichter-Leben dazugehö-
ren.“
Auf dem Platz müsse man unter
viel Druck ständig Entscheidun-
gen treffen, erklärt er, „und ich
bin nicht so eitel, dass ich sage,
ich mache keine Fehler.“ Sich
diese Angst vor Fehlern zu neh-
men und ohne „negative Span-
nung“ ins Spiel zu gehen, wie
Felix es nennt, gebe ihm viel
Gelassenheit.
Deutschlands „Schiedsrichter des Jahres 2014“: Felix Zwayer
beim Trainingslager der Bundesliga-Schiedsrichter am Chiem-
see.