25
S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 4 / 2 0 1 4
von dort aus Anweisungen an
seine Mannschaft geben, sie also
coachen“. Zu diesem Zweck kann
er die gesamte Spieldauer in die-
sem Bereich stehen, er muss sich
nicht hinsetzen.
Nun hat es sich eingebürgert, dass
manche Trainer in den Profiligen
nicht nur fast ununterbrochen die
Bemühungen ihrer Schützlinge
verbal und mit großen Gesten
unterstützen wollen, sondern sich
berufen fühlen, die Entscheidun-
gen der Unparteiischen zu kom-
mentieren – auch dies mit vielen
Worten und großen Gesten.
Damit verstoßen sie gegen den
oben genannten Regeltext – sie
verhalten sich nicht „korrekt“. Die
Unparteiischen können dagegen
einschreiten, genauso wie sie es
bei den Spielern tun. Für die heißt
es in Regel 12, dass das Vergehen
Protestieren/Reklamieren durch
Worte und Handlungen“ mit einer
Gelben Karte bestraft wird.
Wenn also wie im Spiel
Borussia
Dortmund gegen Borussia Mön-
chengladbach (25. Spieltag)
ein
Trainer wütend und lautstark
reklamierend auf den Vierten
Offiziellen zuläuft
(
Foto 4a)
und
anschließend wild gestikulierend
in Richtung Schiedsrichter protes-
tiert
(
Foto 4b)
,
dann ist ein Ver-
weis aus dem Innenraum die rich-
tige Konsequenz. Die Maßnahme
wirkt in diesem Fall auch deshalb
so überzeugend, weil sie Schieds-
richter Aytekin in sehr ruhiger
und besonnener Art ausspricht
(
Foto 4c)
.
Dass der Trainer unmittelbar nach
Spielschluss als erstes zum Vierten
Offiziellen läuft, um ihn zu fragen,
wer ihn denn nun herausgestellt
habe (so erzählt es der Trainer
hinterher selbst), spricht Bände in
Sachen Regelkenntnis. So wie ein
Spieler nur vom Schiedsrichter
vom Platz gestellt werden kann,
verhält es sich auch bei einem
Innenraum-Verweis für einen Trai-
ner. Der Vierte Offizielle „infor-
miert den Schiedsrichter, wenn
sich Personen in der ‚Technischen
Zone‘ ungebührlich verhalten“,
heißt es im Regelwerk. Was aus
dieser Information folgt, entschei-
det ganz allein der Schiedsrichter.
Auf jeden Fall darf der Hinweis des
Vierten Offiziellen nicht nur aus
den Worten „Der Trainer muss auf
die Tribüne“ bestehen. Der Schieds-
richter muss einen klaren Sachver-
halt geschildert bekommen, aus
dem er seine Sanktion ableitet.
***
Wichtig ist allerdings, dass der
Vierte Offizielle seinen „Chef“
überhaupt informiert. Natürlich ist
der Übergang von akzeptierter
Emotionalität eines Trainers zur
Aggression nicht immer leicht fest-
zustellen.
Wenn aber – um ein weiteres Bei-
spiel anzuführen – wie beim Spiel
SC Freiburg gegen den 1. FC Nürn-
berg (28. Spieltag)
der Trainer der
Heim-Mannschaft vor Wut
schreiend
(
Foto 5a)
und wild gesti-
kulierend durch die Coaching Zone
springt und seinen Unmut dabei
lautstark in Richtung des Vierten
Offiziellen artikuliert, dann ist die
Grenze überschritten. Ein solches
Verhalten muss ihn dazu veranlas-
sen, den Schiedsrichter zu infor-
mieren.
Zumal in diesem Fall auch noch
hinzukam, dass dieser Trainer sich
verbal und drohend mit Mitgliedern
des gegnerischen Betreuerstabs
anlegte
(
Foto 5b)
und dabei vom
Vierten Offiziellen kaum zu bändi-
gen war. Hier kann die richtige
Maßnahme nur der Verweis aus
dem Innenraum sein.
Noch einmal deutlich: Die Coaching
Zone dient zum Coachen und nicht
zum Frust- oder Aggressionsabbau
für Trainer (und andere Offizielle),
deren Mannschaft vielleicht nicht
so spielt, wie sie das gern hätten.
Das Schiedsrichter-Team kann sich
solche Ausbrüche nicht gefallen
lassen, wenn es seine Autorität, die
sich aus den Fußball-Regeln ablei-
tet, wahren will.
Erinnert werden muss auch daran,
dass sich alle Beteiligten eben die-
sen Fußball-Regeln unterwerfen,
wenn ein Spiel beginnt – und dazu
Wer, ich?“ Ungläubig schaut der Trainer Schiedsrichter Ayte-
kin an.
und gestikuliert einen Moment später abfällig Richtung
Schiedsrichter.
Trainer Jürgen Klopp brüllt den Vierten Offiziellen wütend an…
Foto 4a
Foto 4b
Foto 4c