220
| DFB von A-Z
Wer damals am Radio sass, der hört Her-
bert Zimmermann noch immer. Hört Schäfer nach
innen flanken, hört die Kopfballabwehr der Ungarn, hört
Rahn, der aus dem Hintergrund schießen müsste, hört
Rahn schießen – und Kommentator Zimmermann vier-
mal „Tor“ schreien. Sechs Minuten später ist das Spiel
aus, aus, aus“. Ekstase inWankdorf. Deutschland ist zum
ersten Mal Weltmeister, die „Goldene Elf“ der Ungarn­­
ist geschlagen, 3:2 nach 0:2. Es ist der 4. Juli 1954.
Der Mythos der „Helden von Bern“ lebt bis heute.
Bundestrainer Sepp Herberger, Spielführer Fritz Walter
oder Torjäger Helmut Rahn kennen auch die, die sie
nicht mehr live erlebt haben. Es ist ein Mythos, der auch
ein Produkt der Zeit ist, in der er entstand. Der Krieg
war noch kein Jahrzehnt vorbei, der kollektive Wohl-
stand noch nicht erreicht, das Selbstbewusstsein der
jungen Republik noch nicht entwickelt. Der Sieg von
Wankdorf war weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Wahr-
scheinlich wusste das Fritz Walter noch gar nicht, als er
den Coupe Jules Rimet entgegennahm und mit fast
ungläubigem Lächeln zu seinen Mitspielern schlenderte.
Doch nach Bern machte ein Satz die Runde, der auch
einiges über die psychologische Bedeutung des WM-­
Triumphes aussagte: „Wir sind wieder wer.“
An 17 WM-Endrunden hat die deutsche National-
mannschaft mittlerweile teilgenommen. Kein Team hat
mehr Spiele bestritten, auch die Brasilianer nicht,
obwohl sie zweimal öfter dabei waren. Siebenmal stand
Deutschland im Finale, dreimal gewann es, dazu kom-
men drei dritte Plätze. Beeindruckende Zahlen, aber
eine WM, das ist vor allem Emotion. Ganz besonders,
wenn das Turnier im eigenen Land stattfindet.
Wie zum ersten Mal 1974. Helmut Schön zog sein
Team in der Sportschule Malente zusammen. Und nicht
zum ersten Mal wurde bei diesem Turnier die Erfahrung
gemacht, dass eine Niederlage richtig viel bewirken
kann. Die Nacht wurde lang in Malente nach dem 0:1
gegen die DDR. Und für die deutsche Mannschaft zur
Initialzündung. Am Ende des Weges stand die Finalteil-
nahme im Münchner Olympiastadion gegen die Nieder-
lande mit Johan Cruyff. „Oranje“ ging in der ersten
Minute durch einen verwandelten Foulelfmeter von
Johan Neeskens 1:0 in Führung. Aber die Deutschen um
ihren Kapitän Franz Beckenbauer drehten das Spiel.
Noch vor der Halbzeitpause trafen Paul Breitner, eben-
falls per Foulelfmeter, und Gerd Müller. 2:1, dabei blieb
es bis zum Abpfiff. Titel Nummer zwei.
a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Weltmeisterschaft
’54, ’74, ’90, ...
Wie geht das Lied weiter? Dreimal
schon hat die deutsche Nationalmannschaft ­
den WM-Titel gewonnen. Auch die Frauen stehen
bereits zweimal auf der Ehrentafel.