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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 5 / 2 0 1 4
Titelthema
Die harten Regeln für WM-Schieds-
richter kannte Felix Brych schon
vorher ganz genau. Und doch war
das Turnier-Aus bitter.
Natürlich ist es schade, dass das
Turnier für uns jetzt vorbei ist.
Aber für mein Team und mich war
die WM in Brasilien dennoch eine
besondere Erfahrung und der bis-
herige Höhepunkt unserer
Schiedsrichter-Karriere“, sagte
Brych nach dem Halbfinal-Einzug
der deutschen Mannschaft, der
gleichzeitig sein persönliches Tur-
nier-Aus bedeutete.
Gemeinsam mit 16 weiteren
Schiedsrichtern war die WM am
Zuckerhut für Brych vorzeitig
beendet. Allerdings nicht wegen
schlechter Leistungen, sondern
wegen der FIFA-Länderregel.
Den 38-Jährigen habe „das gleiche
Schicksal ereilt, wie so viele gute
Spitzen-Schiedsrichter aus
Deutschland vor ihm“, sagte Her-
bert Fandel, der Chef des DFB-
Schiedsrichter-Ausschusses.
Dadurch, dass unsere Mannschaft
bei den großen Turnieren regelmä-
ßig zu den besten Teams gehört,
müssen die deutschen Unpartei-
ischen eben oftmals frühzeitig
abreisen.“
Die beiden Gruppenspiele Costa
Rica gegen Uruguay (3:1) sowie
Belgien gegen Russland (1:0) im
Maracanã von Rio de Janeiro hat-
ten Brych und sein Team gut gelei-
tet und ordentliche Beurteilungen
bekommen.
Gerade das zweite Spiel in Brasi-
liens Fußball-Heiligtum war keine
leichte Aufgabe. Ein nicht gegebe-
ner Elfmeter für Russland war eine
knifflige Entscheidung. Entlastend
wirkte, dass selbst die Russen
Zwei Einsätze für das Team Brych
Ein bisschen mehr hatte sich das deutsche Schiedsrichter-Team bestimmt erhofft. Für Felix Brych
und seine Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp war das Turnier in Brasilien aber nach zwei
Einsätzen vorbei. Der Erfolg der deutschen Mannschaft wurde den Dreien zum sportlichen Ver-
hängnis.
nicht reklamierten. „Wenn es so
viele Zweifel gibt, ist ein Schieds-
richter gut beraten, das Spiel
weiterlaufen zu lassen“, urteilte
der deutsche Schiri-Chef.
Auf einen dritten Einsatz hatten
die Unparteiischen hingegen in der
K.-o.-Runde vergeblich gewartet.
In beiden Partien hatte das
Gespann gute Leistungen gezeigt
und daher sicherlich zumindest
einen dritten Einsatz verdient
gehabt. Darüber zu befinden, ist
allerdings allein Angelegenheit der
FIFA“, erklärte Herbert Fandel.
Beim Achtelfinale zwischen Brasi-
lien und Chile (3:2 im Elfmeter-
schießen) waren Brych und Assis-
tent Borsch nochmal als Vierter
und Fünfter Offizieller an der Sei-
tenlinie im Einsatz.
Grund für Gram gibt es bei Brych
nicht. Nach einer aufregenden Sai-
son hat er seine Zughörigkeit zu
den weltbesten Referees unter-
mauert. Und auch andere WM-
Schiedsrichter kamen nur auf zwei
Einsätze – wie beispielsweise Mar-
kus Merk beim Turnier 2002. Vier
Jahre später durfte er nochmal
ran. Gleiches ist für Brych nicht
ausgeschlossen.
Das deutsche Schiedsrichter-Trio an der Copacabana in Rio
de Janeiro.
Stefan Lupp, der Vierte Offizielle Carlos Vera (Ecuador), Felix Brych und Mark Borsch (von
links) vor dem Spiel Belgien gegen Russland.