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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 5 / 2 0 1 4
Aus den Verbänden
Erinnerungsfoto in London (von links): Philipp Kutscher, Peter Panayio-
tou, Wally James und Lasse Koslowski.
Berlin
Bremen
Austausch mit
Londoner Referees
Vier Berliner Unparteiische reisten
kürzlich zu einem Erfahrungsaus-
tausch nach London und erwider-
ten den Besuch des Schiedsrichter-
Verantwortlichen Andy Porter 2013
in Berlin.
Das dicht gedrängte Programm
begann mit dem Einsatz der Regio-
nalliga-Schiedsrichter Lasse
Koslowski und Philipp Kutscher als
Assistenten bei einem Ligaspiel der
Reserveteams von Leyton Orient
und Gillingham. Die Partie mit
hohem Tempo und hundertprozen-
tiger Leidenschaft war der richtige
Einstieg in den englischen Fußball.
Bei aller Härte und Dynamik des
Spiels stach die Sportlichkeit her-
vor. Die Entscheidungen des
Schiedsrichter-Teams standen
außerhalb der Diskussion, auch
wenn der faire körperliche Einsatz
für deutsche Verhältnisse gewöh-
nungsbedürftig war.
Im Anschluss stand die Drittliga-
Partie Leyton gegen Colchester auf
dem Programm. Von der Tribüne
aus war vor allem die Beobachtung
des Schiedsrichter-Assistenten 1
interessant. Die englischen Assis-
tenten agieren nach einem exakt
vorgegebenen Muster. Es ist genau
festgelegt, wie lange sie die
Abseitsfahne ins Spielfeld halten
oder wie lange sie sich an welcher
Position beim Abstoß aufhalten
müssen. Da sind wir deutschen
Unparteiischen ein wenig indivi-
dueller unterwegs.
Wie diese Vorgaben bereits den
jungen Nachwuchs-Referees ver-
mittelt werden, konnte man in der
Youth Academy von Arsenal Lon-
don erleben. Für die Freundschafts-
spiele zwischen dem Londoner
Profi-Nachwuchs können sich junge
Schiedsrichter bewerben und
erhalten dafür Coaching von erfah-
renen Unparteiischen. Vor den
Spielen wird ein gemeinsames Auf-
wärmprogramm absolviert, das
eine exakte Reihenfolge von Übun-
gen vorsieht. In den Pausen der
Spiele wird dem Schiedsrichter ein
sofortiges Feedback vermittelt, und
für den Spieltag erhält jeder einen
kompletten Beobachtungsbogen.
Absoluter Höhepunkt war das Liga-
Pokalfinale zwischen Manchester
City und Sunderland vor 80.000
Zuschauern im Wembley-Stadion.
Aus Schiedsrichter-Sicht über-
raschte die Härte der Zweikämpfe.
Die physische Härte des englischen
Fußballs ist bekannt. Dass im Ober-
körperbereich so gut wie nichts
abgepfiffen wird und jeder damit
einverstanden ist – nach dem Motto
„
Wer austeilt, muss auch ein-
stecken" - faszinierte.
Abschließend besuchte die Delega-
tion eine Fortbildung für Nach-
wuchs-Schiedsrichter. Auf freiwilli-
ger Basis trafen sich 40 Referees
zum Thema Zusammenarbeit
Schiedsrichter und Assistenten.
Unter Leitung des ehemaligen
Schiedsrichter-Profis Jeff Pettitt
ergab sich eine intensive Diskus-
sion zu den Unterschieden deut-
scher und englischer Spielleitun-
gen. Lasse Koslowski präsentierte
mit perfektem Englisch eine Team-
absprache für ein imaginäres Spiel
und erntete für seine Sprach- und
Fachkenntnisse viel Anerkennung.
Londoner und Berliner Schiedsrich-
ter haben die Fortsetzung des Aus-
tauschs vereinbart. 2015 wird ein
Londoner Nachwuchs-Referee zum
Oster-Lehrgang des Junioren-Leis-
tungskaders nach Berlin kommen.
Jörg Wehling
Verdiente Schiedsrichter geehrt
Der Bremer Fußball-Verband (BFV)
hat erneut Schiedsrichter ausge-
zeichnet, die seit 25, 40 oder sogar
50
Jahren ihrem Hobby, der Schieds-
richterei, treu geblieben sind. Im
Grollander Krug wurden sie von BFV-
Präsident Björn Fecker, dem für das
Schiedsrichter-Wesen zuständigen
Vizepräsidenten Wolfgang Kasper
und Verbands-Schiedsrichter-
Obmann Torsten Rischbode ausge-
zeichnet.
„
Es ist heutzutage nicht mehr selbst-
verständlich, dass sich in unserer
schnelllebigen Zeit jemand so lange
an eine verantwortungsvolle Tätig-
keit bindet“, dankte Fecker den
Unparteiischen für ihren jahrzehn-
telangen Einsatz. Schiedsrichter-
Obmann Rischbode betonte, dass es
zwar immer mehr junge Talente
gäbe, die ihren Weg nach oben
machten, allerdings könne das
Schiedsrichter-Wesen auf die
erfahrenen Kollegen keinesfalls
verzichten. „Zum Teil selbst noch
aktiv, zum Teil als Beobachter im
Daumen hoch für eine gelungene
Projektwoche. Kreis-Schiedsrich-
ter-Obmann Kalli Appelmann
(
Vierter von links) mit dem Refe-
renten-Team der Kreis-Schieds-
richter-Vereinigung Alzey-Worms.
Jung-Schiedsrichter durch
Projektwoche gewonnen
Seit nunmehr zwölf Jahren findet in
Alzey eine Schiedsrichter-Ausbil-
dung in Form eines Schulprojekts
statt. Im Zwei-Jahres-Rhythmus bie-
tet das Elisabeth-Langgässer-
Gymnasium – auf Initiative der
Kreis-Schiedsrichter-Vereinigung
Alzey-Worms – dieses Projekt sei-
nen Schülerinnen und Schülern an.
Unter der Leitung des Ehren-
Schiedsrichters und ehemaligen
Lehrers Günter Thauer haben insge-
samt sieben Unparteiische die 17
Fußball-Regeln präsentiert. In die-
sem Jahr konnte ein Teilnehmer-
Rekord verbucht werden: 47 Jungen
und Mädchen im Alter von 13 bis 16
Jahren stellten sich der Herausfor-
derung „Ausbildung zum Fußball-
Schiedsrichter in vier Tagen“.
Nach der Prüfungsabnahme durch
Andreas Jost vom Schiedsrichter-
Ausschuss des Südwestdeutschen
Fußballverbandes (SWFV) konnte
sich das Ergebnis durchaus sehen
lassen: Insgesamt haben 40 Schüle-
rinnen und Schüler die Ausbildung
erfolgreich absolviert. Drei Viertel
Südwest
davon möchten auch als Jung-
Schiedsrichter in der neuen Saison
tätig sein. Ein toller Erfolg!
Kalli Appelmann