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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 4 / 2 0 1 4
Wenn das gesellschaftsfähig ist und
jeder um die Konsequenzen einer
Gewalthandlung weiß, wird sich
hier ein nachhaltiger Erfolg ein-
stellen.
Betreuer vor Ort und Schiedsrich-
ter-Beauftragte bei den Vereinen
sind ein erster guter Schritt. Eine
aktuelle Befragung unter den
Schiedsrichtern des Westdeut-
schen Fußball- und Leichtathletik-
verbandes hat aber auch gezeigt,
dass man sich von Schiedsrichter-
seite einen intensiveren Dialog mit
Spielern und Trainern wünscht. Vor
allem auch deshalb, weil man als
Ursache zahlreicher Konflikte man-
gelnde Regelkenntnisse ausge-
macht hat.
Handlungsempfehlung 4:
Anpassung der Aufwands-
Entschädigungen
„
Die Schiedsrichter sind mehrheit-
lich der Auffassung, dass die Ver-
gütung zu niedrig sei. Eine Anpas-
sung der Spesen, vor allem in den
unteren Klassen, wäre hier denk-
bar, um zum einen die Zufrieden-
heit der derzeitigen Schiedsrichter
zu erhöhen und neue, junge
Schiedsrichter zu werben.“
Thiemann:
Die Aufwands-Entschädi-
gung hat auch immer etwas mit
Wertschätzung zu tun – und hier
sind die Landesverbände in der Ver-
antwortung. Ich gehe dort von
einer gewissenhaften Entscheidung
aus. Vielleicht bietet sich ja eine
Angleichung aktuell mal wieder an.
Die Spesenregelung sollte im Übri-
gen immer in regelmäßigen Abstän-
den überprüft werden.
Man darf sich aber keine Wunder
von einer hohen Aufwands-Entschä-
digung versprechen. Geld pfeift
schließlich keine Spiele.
Handlungsempfehlung 5:
Schiedsrichter-Werbung
verbessern
„
Die Schiedsrichter geben an, dass
mehr junge Schiedsrichter durch
mehr Werbung gewonnen werden
könnten. Zu diesem Zweck könnten
die aktiven Schiedsrichter als ‚Bot-
schafter für ihr Hobby’ eingesetzt
werden.“
Thiemann:
Derzeit läuft die
Schiedsrichter-Werbung und
-
Gewinnung zu einem sehr hohen
Anteil durch Initiativen der ört-
lichen Schiedsrichter-Gruppen. Hier
haben sich die Vereine, die durch
die Satzung für die Gestellung von
Schiedsrichtern verantwortlich
sind, vielerorts mit ihrer geringen
Verantwortung arrangiert.
Das muss sich ändern, denn wer
außer den Vereinen selbst soll
denn bei den eigenen Mitgliedern
für das Schiedsrichter-Amt wer-
ben?
Natürlich werden die Schiedsrich-
ter-Gremien auf allen Ebenen auch
mithilfe des DFB-Masterplans hier
gezielte Aktionen einleiten. Das
entbindet aber niemanden von sei-
nen Pflichten. Soziale Medien sind
hier sicherlich auch ein guter
Ansatzpunkt.
Handlungsempfehlung 6:
Höhere Transparenz im
Schiedsrichter-Monitoring
„
Die Schiedsrichter geben an, dass
es während ihrer Laufbahn Probleme
mit den Verantwortlichen und den
Beobachtern gegeben habe. Um
Aufstiegs- beziehungsweise Nicht-
Aufstiegs-Entscheidungen nach-
vollziehbarer zu machen, könnten
transparentere Kriterien festge-
legt werden. Außerdem wären Eva-
luationsgespräche denkbar.“
Thiemann:
Jede Form der Intrans-
parenz öffnet Spekulationen
Tür und Tor. Daher kann man nur
allen Entscheidungs-Gremien emp-
fehlen, die Grundsätze ihrer Leis-
tungs-Beurteilung rechtzeitig vor
der Leistungs-Messung zu vermit-
teln und sie öffentlich zu machen.
Häufig liegt die empfundene feh-
lende Klarheit in den Entscheidun-
gen aber auch an mangelnder
Kommunikation, da die Entschei-
dungen auf klaren Kriterien basie-
ren, dem Einzelnen aber in nicht
immer einfachen Gesprächen ver-
deutlicht werden müssen.
Genau an dieser Führungsverant-
wortung setzt beispielhaft auch
die in Planung befindliche Obleute-
Qualifizierung der Schiedsrichter-
Kommission Amateure an.
Nicht unterschätzen sollte man
in diesem Feld die individuellen,
subjektiven Empfindungen einer
Benachteiligung, die mit den ver-
fügbaren Leistungsdaten nicht zu
rechtfertigen sind.
chen und schafft es nicht, ‚Nein‘ zu
sagen; meistens, weil man dem
Verein helfen will.“
Die Gründe, Schiedsrichter zu wer-
den, bezeichnen Emrich und Rul-
lang aber insgesamt als „hoch dif-
ferent“, natürlich auch deshalb,
weil bei vielen Anwärtern verschie-
dene Gründe zusammenfallen.
In vielen Bereichen konnten die
Wissenschaftler eine überwiegende
Zufriedenheit unter den Befragten
feststellen. So gaben etwa drei
Viertel der Unparteiischen an, dass
Fast jeder zweite Schiedsrichter ist der Meinung, dass die Anwärter-Ausbildung zu theoretisch
ist.
Der Weg zum
Schiedsrichter geschieht
häufig eher zufällig.
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