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| DFB von A-Z
Zu Beginn der 50er-Jahre des vorigen Jahr-
hunderts war es eine winzige Minderheit, die sich das
exklusive Vergnügen eines Fernsehapparates leisten
konnte. „Einschaltquote“ war noch ein weitgehend unbe-
kanntes Fremdwort, und sie wurde auch nicht ermittelt,
als am 24. August 1952 erstmals ein Fußballspiel in
Deutschland direkt in voller Länge übertragen wurde.
Es dürften wohl nicht viel mehr als 10.000 Zuschauer
gewesen sein, die damals am Bildschirm den 4:3-Sieg
des Hamburger SV gegen Altona 93 miterlebt haben.
54
Jahre später sorgten 29,7 Millionen Zuschauer am
4.
Juli 2006 bei der Live-Übertragung des WM-Halb­
finales zwischen Deutschland und Italien für den
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höchsten jemals in Deutschland gemessenen TV-­
Zuschauerwert.
Markante Meilensteine stehen an diesem Weg von
den ersten flimmernden Anfängen zum (vorläufigen)
Gipfelpunkt dieser symbiotischen Beziehung zwischen
dem Fußball und dem Fernsehen in Deutschland. Ein
erster Höhepunkt war zweifellos die Live-Berichter­
stattung vom WM-Endspiel 1954 zwischen Ungarn und
Deutschland. Zwar waren an jenem 4. Juli nur rund
40.000
Gebühren zahlende TV-Haushalte registriert.
Die Kulisse bei diesem denkwürdigen „Wunder von Bern“
kam freilich einem ersten „Public-Viewing-Event“ gleich.
Vor den Fenstern der Rundfunkgeschäfte und vieler
Kaufhäuser, die ihre neuesten Fernsehgeräte als Kauf­
anreiz in ihre Auslagen gestellt und angestellt hatten,
drückten sich Hunderttausende im ganzen Land die
Nasen platt, und in zahllosen Gaststätten hatten sich
die Fans vor der „Kiste“ versammelt, um den histori-
schen 3:2-Sieg der Herberger-Elf mitzuerleben.
Am 1. Oktober 1958 schloss der DFB mit der ARD
den ersten Vertrag über die Zuteilung von Fernsehrech-
ten ab. Am 4. Juni 1961 wurde die erste „Sportschau“
gesendet – mit Fußball in Zusammenschnitten am frü-
hen Sonntagabend. Dem historischen Ereignis, demBun-
desliga-Start im August 1963, wurde die ARD erst mit
zweijähriger Verspätung gerecht: Am 1. April 1965 wurde
die erste Samstag-„Sportschau“ mit Spielberichten zeit-
nah nach dem Schlusspfiff ausgestrahlt.
Eine neue Zeitrechnung begann Ende August 1967
für die deutschen TV-Konsumenten mit der Einführung
des Farbfernsehens, womit auch die Fußball-Übertra-
gungen ein neues Gesicht erhielten und im wahrsten
Sinn des Wortes mehr Farbe ins Spiel kam. Danach voll-
zog sich die technische Entwicklung der Fußball-Sen-
dungen in immer schnelleren und größeren Schritten.
Wurden die Spiele anfangs für die „Sportschau" auf Film
a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Fernsehen
Sie waren vom ersten Tag an füreinander be­
stimmt: Der Fussball und das Fernsehen; die Faszi-
nation des Spiels der Spiele und die Attraktion
der bewegten Bilder auf der Mattscheibe. Es war
eine atemberaubende Entwicklung, mit der sich
der Aufstieg des Fussballs im Fernsehen vollzog
und mit der, umgekehrt, der Fussball dem Fern­
sehen zu seiner heutigen Grösse verholfen hat,
wie Einige TV-Experten glauben.