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| DFB von A-Z
Auch im Amateurbereich gibt es Woche für
Woche zahlreiche faire Gesten. Doch nur die
wenigsten bekommen die öffentliche Aufmerksamkeit,
die jeder einzelnen eigentlich gebührt.
Aus diesem Grund zeichnet der Deutsche Fuß-
ball-Bund im Rahmen der Aktion „Fair ist mehr“ bereits
seit 1997 besonders faire Spieler, Mannschaften und
Funktionäre aus. Die Initiative soll dazu beitragen, dass
faires Verhalten nicht als erfolgshemmendes Element
des Spiels gesehen wird. Das funktioniert. Seit der Grün-
dung gingen weit über 6.000 Meldungen ein. Eine wahr-
lich imposante Zahl, die der Jury, die jedes Jahr die
Bundessieger küren muss, die Wahl nicht einfach macht.
Zumal das Portfolio an Fairness schier grenzenlos ist
und weit über die Entschuldigung nach einem Foulspiel
hinausgeht.
Ein kleines Beispiel gefällig? Nehmen wir den Froh-
nauer SC, wie Nationalspieler Klose ein Preisträger des
Jahres 2012. Der Berliner Landesligist wollte in seiner
Partie gegen den Lichtenfelder FC nach einer Spiel
unterbrechung den Ball zum gegnerischen Torhüter
zurückspielen. Doch etwas zu scharf geschossen, ein
Platzfehler und der Ball landete im Lichtenfelder Tor.
Was nun? Eine kurze Beratung zwischen Spielern und
Trainer und schon war klar, dass nunmehr auch dem
Gegner ein Tor geschenkt werden muss. Eine faire Geste,
die aber im ersten Versuch scheiterte. Denn der Lich-
tenfelder Stürmer zielte aus 30 Metern neben das ver-
waiste Gehäuse des FSC. Und nun? Chance auf faire
Behandlung vergeben, weiter geht’s? Nicht mit dem
Frohnauer SC! Die Mannschaft legte dem Stürmer den
Ball sogleich noch einmal auf und im zweiten Versuch,
aus deutlich näherer Distanz, traf dieser nun auch.
Dass auch große Trainer den Fair-Play-Gedanken
vorleben können, dafür steht Jupp Heynckes wie kein
anderer. Beim Österreich-Länderspiel im September
2013
verlieh ihm der DFB dafür die große Fairplay-
Medaille. Neben Liga, Pokal und Champions League
standen seine Bayern 2013 auch in der Fair-Play-Tabelle
ganz oben. In seiner Dankesrede gab Heynckes die Aus-
zeichnung an seine Spieler weiter: „Ich habe noch nie
eine Mannschaft erlebt, die so aufmerksammit den Fans
umgegangen ist. Meine Spieler sind überall stehen
geblieben und haben Autogramme gegeben. Unser
Erfolg erklärt sich nicht nur über die spielerische
Klasse.“
Sondern auch über faires Verhalten. Auf und außer-
halb des Platzes.
a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Fair Play
Für Miroslav Klose selbst war es keine sonder-
lich grosse Sache, eher eine Selbstverständlich-
keit. Dennoch sorgte die Szene im September 2012
europaweit für Aufsehen. Im Ligaspiel gegen den
SSC Neapel erzielte der deutsche Nationalspieler
in Diensten von Lazio Rom einen Treffer mit der
Hand. Unbemerkt vom Schiedsrichter, der auf Tor
entschied. Doch Klose wies den Unparteiischen
auf sein Fehlverhalten hin und bewies dadurch
eindrucksvoll, dass auch im „grossen“ Fussball-
geschäft Platz für „Fair Play“ sein kann.