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| DFB von A-Z
Mit drei Helden von Bern, Max Morlock, Helmut
Rahn und Hans Schäfer, startete die Bundesliga am
24.
August 1963 ihre Reise ins Ungewisse. Die letzten
Verbliebenen aus einer Epoche, als Fußball noch als
Spiel von elf Freunden romantisch verklärt wurde, erleb-
ten die Initialzündung für eine beispiellose Erfolgsstory
noch mit. Seitdem ist vieles anders geworden. Auf und
neben dem Platz.
Die ersten Torhüter spielten noch ohne Handschuhe,
die Trikotnummern endeten bei 11, denn mehr als elf
durften ja nicht spielen – Auswechseln wurde erst 1967
erlaubt, aber (zunächst) nur, wenn der Vereinsarzt die
Notwendigkeit attestierte. Niemand trug bunte Schuhe,
Werbung machten Vereine auf der Brust nur für sich
selbst. Der Stehplatz kostete auf Schalke 1,40 DM, und
im Fernsehen kamen nur Ausschnitte von drei Spielen.
Der Rest blieb ein großes Geheimnis. Die Stadien atme-
ten den Charme der Pioniertage, die Tribünen waren aus
Holz und Anzeigetafeln Marke Handbetrieb. Die Spieler
gingen arbeiten, maximal 1200 DM durften sie verdienen.
Geschichten aus einer anderen Welt. Die Aufzählung
ließe sich noch ein Weilchen fortführen, aber es ändert
nichts an der Kernaussage: Die Bundesliga ist der Deut-
schen liebstes Kind geblieben. In 50 Jahren hat sie einen
festen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft gefunden.
Jeden Samstagnachmittag erfasst Millionen Deutsche
ein Prickeln, und längst sind es nicht mehr nur die Män-
ner, die ab 15.30 Uhr einen dringenden Termin haben.
Ob im Stadion, vor dem Fernseher oder am Radio-Gerät,
das in den ersten drei Jahrzehnten das Bundesliga-Me-
dium schlechthin war.
Mittlerweile bietet auch das Fernsehen eine Konfe-
renz; es ist im Grunde unmöglich, jetzt noch ein Tor zu
verpassen. Auch weil sich die rasant verändernde Medi-
enwelt die ganze Woche über mit der Bundesliga
beschäftigt. In den ersten beiden Jahren gab es keinen
TV-Vertrag, ehe der DFB ihn 1965 mit den beiden öffent-
lich-rechtlichen Sendern abschloss – für 647.000 DM.
Ab der kommenden Saison erhalten die Vereine der Bun-
desliga und 2. Bundesliga rund das Zweitausendfache.
Das nur auf die Inflation zu schieben, wird nieman-
dem einfallen. Inflationär ist nur das Interesse am Pre-
mium-Produkt des deutschen Sports angestiegen.
Otto Rehhagel hat den Satz geprägt, dass der Fuß-
ball „das Theater der kleinen Leute“ sei. Populär war er
schon immer, aber es dauerte über 60 Jahre, bis er auch
in Deutschland seine optimale Organisations-Form fand.
Als letztes Land Europas bekam die Bundesrepublik eine
zentrale Liga. Vor dem Krieg waren es bis zu 20 Spiel-
klassen, danach noch fünf (vier regionale Oberligen und
die Stadtliga Berlin).
Der DFB hat eine seiner besten Ideen gehabt, die
Bundesliga am 28. Juli 1962 auf dem Dortmunder Bun-
destag mit großer Mehrheit (103:26 Stimmen) ins Leben
zu rufen. Die Sorge, international den Anschluss zu ver-
lieren nach der WM-Enttäuschung von Chile und der
ersten Auswanderer-Welle gen Italien, wo Profis spielten
und entsprechend bezahlt wurden, spielte dabei eine
zentrale Rolle. Die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht:
Deutschland hat seitdem keine WM verpasst, was in
Europa nur die Italiener von sich behaupten können.
Strahlende Erfolge wurden eingefahren: zwei Welt-
meisterschaften, drei Europameisterschaften und 17
Europapokale stehen seit 1963 auf den Siegertafeln.
Neunmal kam „Europas Fußballer des Jahres“ aus der
Bundesliga.
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Bundesliga
Die Bundesliga ist der Deutschen liebstes Kind
geworden und geblieben. In 50 Jahren hat sie
einen festen Platz in der Mitte unserer Gesell-
schaft gefunden. Mit einer beispiellosen Erfolgs-
story ist sie das Premium-Produkt des deutschen
Sports und zählt als Unternehmen mit riesiger
Resonanz zu den stärksten Spielklassen des
Weltfussballs.